Zuviele Linke, aber keine Linke für Europa

  • Rossana Rossanda
Schlagworte: Linke, Europa, Italien, Arbeiterbewegung

Abstract

1. Hat Europa, das nach den Wahlen zum Parlament von Straßburg vom 7. und 10. Juni nun Gestalt annimmt, für die linke einen Nutzen? In Italien antworten alle mit ja. Die sozialistische Partei verspricht sich davon große Ergebnisse, die kommunistische Partei ist zu einer glühenden Verfechterin der europäischen Idee geworden, ganz im Gegensatz zu ihrer französischen Schwesterpartei. Sogar die Neue Linke, um nicht von den Radikalen, den Ökologen und den anderen, politischen Druck ausübenden Bewegungen zu sprechen, hat ihr Interesse erklärt. Unter den Neun ist Italien das Land, das die klarste politische Aussage zugunsten dieses Europa getroffen hat.
Für die Linke ist dies eine Wende, die erst in der jüngsten Zeit vollzogen wurde. Während des Kalten Krieges sind die Idee eines vereinten Europa und dessen erste Institutionen mit Entschiedenheit bekämpft worden; von seiten der Kommunisten mit den Argumenten der UdSSR dagegen, von seiten der Sozialisten mit einer furchtsamen und letztendlich überhaupt nicht realisierbaren Idee von einem neutralen Europa. Doch ist das Ende des Kalten Krieges nicht der einzige Grund, der den Wechsel in der Einschätzung begründen könnte. Er folgt mehr oder weniger aus der übernahme jener Rolle, die von Präsident Nixon in seiner Rede von 1971 in Kansas City Europa zugedacht wurde. Die Vereinigten Staaten hatten in Vietnam verloren und waren dadurch gezwungen, ihre Strategie in der internationalen Politik zu verändern; sie ließen sie dem freien Spiel ihrer ökonomischen Macht einfach folgen. Mit den heftigen Weltwährungskrisen als Konsequenz der Ablösung des Dollar vom

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Veröffentlicht
1979-12-01
Zitationsvorschlag
Rossanda, R. (1979). Zuviele Linke, aber keine Linke für Europa. PROKLA. Zeitschrift für Kritische Sozialwissenschaft, 9(37), 5-18. https://doi.org/10.32387/prokla.v9i37.1612
Rubrik
Artikel des Heftschwerpunkts