Daß die PROKLA nach dem Heft StadTRaum (PROKLA 109, Dezember 1997) nun dem "neuen Berlin" ein weiteres Stadtheft widmet, ist keineswegs einem Lokalpatriotismus der Redaktion geschuldet. Wenn Berlins Innensenator Schönbohm mahnt: "Berlin muß endlich begreifen, daß es nicht nur sich selber gehört," heißt dies ja wohl, daß auch unsere LeserInnen im "Rest" der Bundesrepublik ihre Ansprüche und Interessen an Berlin haben. Berlin, so Schönbohm, "repräsentiert die Mitte Deutschlands in der Weltöffentlichkeit", und an der wachsenden internationalen Literatur zu Berlin könnte man in der Tat ablesen, daß nicht nur das deutsche Interesse an dieser Stadt explodiert ist. Die außergewöhnlichen Bedingungen, die mit dem Mauerfall für politische, wirtschaftliche und räumliche Entwicklungen eröffnet wurden, machten Berlin zu einem Experimentierfeld "am Ende der Geschichte", wo sich kapitalistische Träume und stadtentwicklungspolitische Hoffnungen im Scheinwerferlicht internationalen Interesses entfalten – oder in den märkischen Sand setzen ließen. Um die 1989/90 geweckten Träume von der prosperierenden Metropole von Weltformat, der europäischen Dienstleistungsmetropole und der Ost-West- Drehscheibe zu verwirklichen, setzten die regierenden Politiker vor allem auf internationale Projektentwickler und ihre Financiers, machten die Rationalität der umworbenen Investoren zur Grundlage ihrer Entscheidungen – zur Not auch unter Umgehung oder entsprechender Abänderung lokaler Entscheidungsstrukturen zum Zwecke beschleunigter Handlungsfähigkeit.

Veröffentlicht: 1998-03-01