Wirtschaftskrise, internationale Verschuldung und Entwicklungspotentiale in Lateinamerika

Autor/innen

  • Thomas Hurtienne

DOI:

https://doi.org/10.32387/prokla.v15i59.1410

Schlagworte:

Wirtschaft, Krise, Verschuldung, Entwicklung, Lateinamerika

Abstract

Lateinamerika erlebte 1981/83 die schwerste Wirtschaftskrise seit der großen Depression der 30er Jahre. Unmittelbarer Auslöser war die drastische Verschlechterung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit 1979: Der rezessionsbedingte Rückgang der Importe der Industrieländer und die Verdreifachung des internationalen Zinsniveaus führten über den Verfallder relativen Exportpreise und rapide steigende Zinszahlungen zu einer Zahlungsbilanzkrise, die mit Abbruch des Nettokapitalzuflusses 1982 in einer akuten Verschuldungskrise mündete. Die hoch verschuldeten Länder Lateinamerikas konnten ihren Schuldendienst nicht mehr bezahlen und mußten den dornenreichen Gang zum Internationalen Währungsfond (IWF) antreten. Die von ihm verordnete Roßkur der Stabilisierungsprogramme beschleunigte den wirtschaftlichen Abschwung auf dramatische Weise. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner fiel in der Region auf das Niveau von 1976, in vielen Ländern sogar auf das der 60er Jahre zurück. Die in den 70er Jahren mühsam geschaffenen neuen industriellen Arbeitsplätze lösten sich in wenigen Monaten in Luft auf. Einkommensverfall der Mittelschichten, Verelendung der breiten Massen, Hungerrevolten und Plünderungen beherrschten die Szene der lateinamerikanischen Großstädte. Lateinamerika war pleite und mußte trotzdem einen Nettokapitalexport in die Industrieländer zustandebringen.

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Veröffentlicht

1985-06-01

Zitationsvorschlag

Hurtienne, T. (1985). Wirtschaftskrise, internationale Verschuldung und Entwicklungspotentiale in Lateinamerika. PROKLA. Zeitschrift für Kritische Sozialwissenschaft, 15(59), 34-64. https://doi.org/10.32387/prokla.v15i59.1410