Wieder einmal stehen die Ölpreise auf Rekordhöhe und schüren Befürchtungen, die schwachen Ansätze einer konjunkturellen Erholung könnten durch hohe Energiekosten abgewürgt werden. Nicht zuletzt daran wird die Bedeutung der natürlichen Ressourcen für die Entwicklung der kapitalistischen Ökonomie deutlich. Auch bei dem im vergangenen Jahr von den USA und ihren Alliierten geführten Krieg gegen den Irak waren sich die meisten Kommentatoren einig, dass die Ölinteressen der USA eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Ebenso geht es in den „neuen Kriegen“, die nach dem Ende der Blockkonfrontation vor allem in den zerfallenden Staaten Afrikas geführt werden, häufig um die Kontrolle von Bodenschätzen. Den natürlichen Ressourcen kommt in mehrfacher Hinsicht eine besondere Rolle zu. Einerseits sind sie nicht beliebig vermehrbar, so dass ihre Endlichkeit schon vor Jahrzehnten zu Diskussionen über die „Grenzen des Wachstums“ führte. Vor allem aber sind sie im Unterschied zu industriell produzierbaren Gütern ortsgebunden. Ihre Ausbeutung und Verwertung setzt die Kontrolle über dieses Territorium und die entsprechenden Transportwege voraus, was die Grundlage einer ganzen Reihe von Konflikten liefert. Bereits in den klassischen Imperialismustheorien wurden derartige Fragen verhandelt. Allerdings geht es heute nicht nur um die physischen Räume, sondern auch um die funktionalen Räume des Weltmarkts, um die Beherrschung der Preisbildung und der Fakturierung der Ressourcen. Vor allem durch den Irakkrieg wurde die Frage nach dem Verhältnis von Globalisierung und Imperialismus erneut aufgeworfen (vgl. dazu PROKLA 133, Dezember 2003, Imperialistische Globalisierung).

Veröffentlicht: 2004-06-01