Sozialpolitik in Argentinien und Chile

Analyse einer Wende im Zeichen der Militärdiktatur

Autor/innen

  • Ute Wachendorfer

DOI:

https://doi.org/10.32387/prokla.v16i65.1360

Schlagworte:

Sozialstaat, Argentinien, Chile, Militärdiktatur, Sozialpolitik

Abstract

Entgegen verbreiteten Vorstellungen von der Dritten Welt kann Lateinamerika durchaus mit einer Sozialpolitik aufwarten. Ein im Vergleich zu anderen Dritte-Welt-Regionen höherer Urbanisierungs- und Industrialisierungsgrad hat dazu beigetragen, daß der Staat in einigen lateinamerikanischen Ländern sehr früh Sozialpolitik als Aufgabe begriff. Chile, Argentinien und Uruguay verfügen beispielsweise über Sozialversicherungssysteme, die zu den ältesten des Kontinents zählen und zeitweilig sogar das Leistungsniveau der Industrieländer überschritten (Mesa Lago 1986). Der früh angelegte Wohlfahrtsstaat hielt freilich den ökonomischen und politischen Spannungen nicht stand. Er degenerierte zu einem Gewirr gleichsam ständischer Privilegien und war dem Druck derer ausgesetzt, die nach unten hin ausgegrenzt waren. Gegen Reformversuche progressiver Regierungen war dieses Sozialsystem beinahe immun, und es war kein Zufall, daß gerade in den lateinamerikanischen Ländern, in denen der Wohlfahrtsstaat vergleichsweise am meisten fortgeschritten war, die Auseinandersetzungum seine Zukunft am erbittertsten geführt wurde. Und auch die Errichtung repressiv-autoritärer Militärregime in Chile und Uruguay (1973) sowie Argentinien (1976) hängt damit zusammen,daß in keinem der drei Länder die ökonomische und politische Elite in der Lagewar, das Sozialsystem zu einem Wohlfahrtsstaat westeuropäischen Typs auszubauen.

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Veröffentlicht

1986-12-01

Zitationsvorschlag

Wachendorfer, U. (1986). Sozialpolitik in Argentinien und Chile: Analyse einer Wende im Zeichen der Militärdiktatur. PROKLA. Zeitschrift für Kritische Sozialwissenschaft, 16(65), 101-120. https://doi.org/10.32387/prokla.v16i65.1360

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