Die wachsende Konzentration – dieses Thema bewegte und beunruhigte bis in die 70er Jahre hinein selbst noch Verfechter der sozialen Marktwirtschaft, die sich deren Verwirklichung als mittelständische Idylle erträumt hatten. Linke Ökonomen wiederum nahmen zwar Lenins harsche Aussage, die Tendenz zur Monopolisierung bedeute nichts als »Stagnation und Fäulnis«, damals meist nicht mehr wörtlich, fanden hier aber einen Kristallisationspunkt ihrer Kapitalismuskritik. Galt doch die »Macht der Oligopole « als eine der wesentlichen Ursachen für Krisen und Fehlentwicklungen des Kapitalismus, ob es um Rationalisierungen und Arbeitsplatzabbau in der westdeutschen Stahlindustrie ging oder um die US-amerikanische Kontrolle der chilenischen Kupferminen, die zur Unterstützung jener Kräfte führte, die das sozialistische Experiment unter Allende gewaltsam beendeten. Seither ist ein eigenartiges Auseinanderdriften der realen Entwicklung und ihres Niederschlags in wissenschaftlichen und politischen Debatten einer kritischen Öffentlichkeit festzustellen. Das Phänomen, das dabei zunächst ins Auge fällt, ist die stetig wachsende Zahl von Fusionen, vor allem aber die Veränderung von deren Dimensionen. Doch je mehr es davon gibt, um so weniger ruft dies mittlerweile Irritationen hervor oder veranlaßt grundsätzliche Analysen. Man braucht sich nur an die Meldungen des letzten Jahres über Zusammenschlüsse verschiedenster Art zu erinnern: die Victoria-Versicherungsgruppe mit der Hamburg-Mannheimer, Krupp-Hoesch mit Thyssen, der Versicherungs- Konzern Allianz mit den Assurances Générales de France, die Bayerische Vereinsbank mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, Condor (Lufthansa) mit NUR-Touristik (Karstadt), Preussag AG (TUI) mit Hapag Lloyd, der kanadische Gemischtwarenkonzern Seagram mit dem Musikproduzenten Polygram, British Petroleum mit dem US-amerikanischen Mineralölkonzern Amoco.

Veröffentlicht: 1998-12-01