„Die kleinsten Kinder sind auf mancherlei Weise beschäftigt. Ein großer Teil derselben trägt Fische zum Verkauf…; andere sieht man sehr oft in der Gegend des Arsenals, oder wo sonst etwas gezimmert wird, wobei es Späne gibt, auch am Meere, welches Reiser und kleines Holz auswirft, beschäftigt, sogar die kleinsten Stückchen in Körbchen aufzulesen… Sie gehen nachher mit den Körbchen tiefer in die Stadt und setzen sich mit ihren kleinen Holzportionen gleichsam zu Markte… Andere Kinder tragen das Wasser der Schwefelquellen… Eine sehr große Anzahl von Menschen… beschäftigen sich, das Kehricht auf Eseln aus der Stadt zu bringen. Das nächste Feld… ist nur ein Küchengarten, und es ist eine Freude, zu sehen, welche unsägliche Menge von Küchengewächsen alle Markttage hereingeschafft wird und wie die Industrie der Menschen sogleich die überflüssigen, von den Köchen verworfenen Teile wieder in die Felder bringt, um den Zirkel der Vegetation zu beschleunigen… Ich würde zu weit aus meinem Wege gehen, wenn ich hier von der mannigfachen Krämerei sprechen wollte…; allein ich muß doch hier von den Herumträgern sprechen… Einige gehen herum mit Fäßchen Eiswasser, Gläsern und Zitronen…; andere tragen Körbe allerlei Backwerks, Näscherei. Zitronen und anderes Obst umher… Wie diese Art Herumträger geschäftig sind, so gibt es noch eine Menge kleiner Krämer, welche gleichfalls herumgehen und, ohne viele Umstände, auf einem Brett, in einem Schachteldeckel ihre Kleinigkeiten oder auf Plätzen, geradezu auf flacher Erde, ihren Kram ausbieten… Ich weiß wohl, daß dies viel zu allgemein gesagt ist und daß die Charakterzüge jeder Klasse nur erst nach einer genauern Bekanntschaft und Beobachtung rein gezogen werden können, allein im ganzen würde man doch, glaube ich, auf diese Resultate treffen…“ So beschreibt Johann Wolfgang von Goethe den „informellen Sektor“ Neapels in seinen Aufzeichnungen vom 28. Mai 1787 während der „italienischen Reise“.

Veröffentlicht: 1999-12-01