"Senkung der Arbeitskosten, Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und Verbesserung der Anreize zur Arbeitsaufnahme - dies sind die unabweisbaren Hauptthemen jeder ernsthaften, an tatsächlichen Erfolgen orientierten Bemühung, die Beschäftigungsprobleme der Gegenwart zu lösen, und sie definieren die praktisch-politischen Herausforderungen, denen die deutschen Gewerkschaften im gegenwärtigen Bündnis für Arbeit irgendwann gerecht werden müssen, wenn sie weiterhin in der Lage sein wollen, Arbeitsmarkt und Beschäftigung mitzugestalten." - So der Geburtstagsgruß von Wolfgang Streeck zum 50. Gründungstag des DGB 1999. Die Therapie, die der Cheftheoretiker des "Bündnisses für Arbeit" den Lohnabhängigen verschreibt, erinnert an den mittelalterlichen Aderlass. Die Massenarbeitslosigkeit soli primär durch eine Senkung des Lohnniveaus, speziell durch eine Senkung der Sozialleistungen bekämpft werden. Jede nachfragetheoretische Überlegung wird ohne weiteres Argument als historisch überholter "Vulgärkeynesianismus" gebrandmarkt. Zwar mag eine Steigerung der Binnennachfrage unter den Bedingungen der Globalisierung der Märkte nicht unmittelbar dem einheimischen Beschäftigungsniveau zugute kommen - doch ebenso wenig führt eine Absenkung des Lohnniveaus notwendig zu vermehrten Investitionen oder gar zu mehr Arbeitsplätzen. Eine Steigerung der Beschäftigung über die Senkung der Lohnnebenkosten, des Lohnniveaus oder eine stärkere Lohnspreizung ist allenfalls in dem Sektor niedrig qualifizierter, arbeitsintensiver Dienstleistungen plausibel...

Veröffentlicht: 2003-03-01