Wenn die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« den Tod des deutschen Kommunisten Robert Havemann in einem längeren Nachruf unter der Überschrift »Er glaubte an das Gute und Humane im Kommunismus« bedenkt, das »Neue Deutschland« dazu aber keine Zeile schreibt, so zeigt sich hierin die ganze Problematik und Widersprüchlichkeit des Lebenseines Mannes, der seit seiner Jugend Kommunist war, der wegen seiner Überzeugungen und seines Widerstandes von den Nazis zum Tode verurteilt wurde, mit vielen Antifaschisten, unter ihnen Erich Honecker, im Zuchthaus Brandenburg eingekerkert war und überlebte, der in seinem Leben dreimal vom Berufsverbot betroffen war - 1933 als ihn die Nationalsozialisten aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie entließen, 1950 als ihn die Amerikaner wegen seines Engagements gegen den Bau der Wasserstoffbombe als Abteilungsleiter des gleichen Instituts absetzten und 1964 als er seine Professur an der Humboldt-Universität in (Ost)Berlin verlor, weil er in einer Vorlesungsreihe zentrale Axiome des poststalinistischen Marxismus-Leninismus in Frage gestellt hatte.

Veröffentlicht: 1982-06-01