Bereits vor 20 Jahren vermutete unser geschäftsführender Redakteur Michael Heinrich (1994), wahrscheinlich würden sich nur noch ältere Leser und Leserinnen daran erinnern, dass das Akronym im Titel der Zeitschrift einst für „Probleme des Klassenkampfs“ stand. Er fuhr fort, dass sich mit der Änderung des Titels im Jahr 1976 nicht nur der Name des Projekts PROKLA gewandelt habe, sondern auch auf die veränderten gesellschaftlichen Umstände reagiert wurde. Emanzipationsbestrebungen könnten „nicht mehr ausschließlich als ‘Klassenkampf ’ und ‘sozialistische Politik’ aufgefasst werden“, dazu quer liegende Unterdrückungsformen wie Sexismus oder Rassismus, müssten ebenbürtig berücksichtigt werden, um einen „Beitrag zur Veränderung der Verhältnisse [auf der Höhe der Zeit] zu leisten“ (ebd .: 110) . Diesem Resümee voraus ging ein selbstkritisches Editorial der Redaktion im Jahr 1985, als die bis dahin letzte Ausgabe mit explizitem Klassenschwerpunkt erschien. Darin war nicht nur von einem „augenscheinlichen Prognosedefizit der marxistischen Klassenbewusstseinstheorie“ (PROKLA 1985: 2) die Rede, sondern auch von einer notwendigen „kategorialen Erweiterung der Klassentheorie“ (ebd .: 3), um angemessen berücksichtigen zu können, dass Formationen und Identitäten bestehen, die ökonomische Klassenlagen durchkreuzten und politische Präferenzen nicht einfach aus Klassenpositionen abgeleitet werden dürften .

Veröffentlicht: 2014-06-01