In der Bundesrepublik ist einer der härtesten Tarifkonflikte der Nachkriegszeit angekündigt. Die Tarifforderung der IG Metall nach Einführung der 35-Stunden-Woche, die sich in längeren gewerkschaftsinternen Auseinandersetzungen durchgesetzt hat und von der Mehrheit der DGB-Gewerkschaften sowie dem internationalen Gewerkschaftsbund mitgetragen wird, enthält viele Momente, die Gewerkschaftskritiker an den üblichen Tarifforderungen vermissen:

- Sie vereinheitlicht Interessen der Arbeitsplatzbesitzer und der Arbeitslosen, stellt also einen Schritt dar, die »Dualisierung« der Arbeitsmärkte, die zentrale »Segmentierungslinie« zwischen denen, die »drinnen« und denen, die »draußen« sind, offensiv in Frage zu stellen;
- sie ist eine qualitative Forderung, die Reproduktionsinteressen und-erfordernisse der Beschäftigten aufgreift, Rationalisierungseffekte in arbeitsfreie Zeit und nicht in zusätzliche Lohnprozente umzusetzen versucht;
- sie ist vor allem in der gegenwärtigen ökonomischen und politischen Situation hoch konfliktorisch und politisierend und sperrig gegenüber Versuchen, einen korporatistischen Interessenausgleich zu arrangieren.

Veröffentlicht: 1984-03-01