Länger als noch vor kurzem vermutet, setzt sich die gemeinsame Vergangenheit der osteuropäischen Gesellschaften in eine gemeinsame Gegenwart fort, die durch Rückgänge in der Produktion, inflationäre Prozesse und einen sinkenden Lebenstandard gekennzeichnet ist. Der Machtverlust der kommunistischen Apparate hat sich in eine »Machtinflation« verlängert, die eine kohärente Politik kaum zuläßt: Machtanhäufung und Dekrete stehen scheinbar unregierbaren Gesellschaften gegenüber. Stark zurückgehende Investionsraten, die Abwanderung qualifizierter Bevölkerungsgruppen und eine noch weitgehend »verborgene« Arbeitslosigkeit lassen vermuten, daß sich die ökonomische Krise weiter verschärfen wird. Die Weltbank hat ihre Prognosen dahin gehend revidiert, daß das durchschnittliche Einkommen von 1989 erst gegen Ende der neunziger Jahre wieder erreicht sei.

Veröffentlicht: 1992-12-01